“Ein Unternehmen lebt von der guten Mischung seiner Personalstruktur”

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Von Sonja Kubczak, 22. Oktober 2009: Ich habe Romanistik (Schwerpunkt Französische Philologie), Germanistik (Schwerpunkt Neuere deutsche Literaturwissenschaft) und Theaterwissenschaft studiert. Heute bin ich Marketing Communications Manager bei Jobscout24. Als ich vor 3 Jahren auf mein Magisterexamen zusteuerte, prophezeite mir natürlich jeder, dass ich mit einer gewissen Zeit der Arbeitslosigkeit rechnen ... Weiterlesen - Translate full text



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Als ich vor 3 Jahren auf mein Magisterexamen zusteuerte, prophezeite mir natürlich jeder, dass ich mit einer gewissen Zeit der Arbeitslosigkeit rechnen müsse, 6-12 Monate seien da ganz normal.

Und so war ich ehrlich überrascht, bereits nach 2 Wochen Bewerbungsphase zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Es ging um ein PR-Volontariat in München. Die erste Frage, die ich mir im Vorstellungsgespräch gefallen lassen musste lautete: “Ich sehe hier, dass Sie Theaterwissenschaft studiert haben… (der damalige PR-Director zog die Augenbrauen in die Höhe und die Mundwinkel nach unten) Ist das denn überhaupt eine Wissenschaft?”

Natürlich hätte ich antworten können, was mir auf der Zunge lag: “Ja, sonst wäre es ja kein Studienfach einer staatlich anerkannten Hochschule!!!” Stattdessen verlegte ich mich auf die These, das Leben sei eine Bühne, gerade im Berufsleben spielten wir doch alle eine oder mehrere Rollen und die “Performance” sei doch ein Schlagwort der freien Wirtschaft.

Der PR-Director war erstaunt. Nachdem ich ihm auch noch den Unterschied zwischen Philologie und Psychologie erklärt hatte, konnten wir entspannter miteinander reden. Bis heute frage ich mich, ob dieses einführende Geplänkel ein perfider Stresstest war oder ob ich es mit einem bornierten BWL-Fuzzi der Extraklasse zu tun hatte. Wie auch immer…ich bekam den Job.

Seitdem habe ich etliche Karriereschritte gemacht und bin in der freien Wirtschaft angekommen – als Marketing Communications Manager. Interessant ist, dass mein familiäres Umfeld – allesamt Geisteswissenschaftler – bis heute nicht verstanden hat, was ich eigentlich mache. Mein Vater behauptet gerne: “Sonja macht Reklame im Internet”. Naja…ich hab’s inzwischen aufgegeben, ihn zu korrigieren. Ich missioniere heute in 2 Richtungen. Meine Eltern (beide Sprachwissenschaftler) versuche ich davon zu überzeugen, dass ich es bei JobScout24 nicht den ganzen Tag mit geistlosen Krämern zu tun habe und meinen Kollegen beweise ich täglich, dass auch eine Romanistin was drauf haben kann.

Eins ist jedenfalls sicher: Arbeitgeber, die Geisteswissenschaftlern eine Chance geben, sind sicherlich mutiger und offener als andere, die nur Mitarbeiter mit dem richtigen Stallgeruch einstellen.

Und ich wage die Behauptung: Unter Geisteswissenschaftlern gibt es genauso viele Pappnasen und Knallchargen wie unter den Wirtschaftswissenschaftlern, Maschinenbauern, Physikern oder IT-Spezialisten. Je nach Tätigkeitsbereich eignen sich andere Menschen für den Job.

Ein Unternehmen lebt aber von der guten Mischung seiner Personalstruktur. Wachstum entsteht, wo sich Können und Wissen von Männern und Frauen, älteren und jüngeren Kollegen mit verschiedenen Ausbildungsbiographien verbinden – zum Wohl der Firma. Wer das nicht versteht, muss sich wohl weiterhin fragen, ob Theaterwissenschaft eigentlich eine Wissenschaft sei…

Quelle: Jobscout24.

Ich werde später jedenfalls nicht die Augenbrauen hochziehen und die Mundwinkel runter, um meine Kinder zu fragen: “Ihr wollt XY studieren? Was wollt Ihr denn damit später mal machen? Und zu schämen braucht sich in meinen Augen ja schließlich niemand, der in Deutschland erfolgreich ein Studium abschließt.

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