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Berufsbild » Erasmus humanum est:
Wie finde ich als Geisteswissenschaftler eigentlich einen Job?

Am Anfang ist das Studium. Und dann kommt der Job. So glauben das jedenfalls alle Studenten. Alle Studenten? Nein, es gibt eine relativ große Gruppe an Studenten, die nicht von vornherein weiß, was sie mit ihrem Magister, Master oder Bachelor im Berufsleben anfangen kann.

Eva Zils

Das ging mir während meines Sprach- und Literaturstudiums (englisch und französisch) ebenso. „Studier’ BWL neben Deinen Sprachen, das gibt Dir bessere Job-Chancen“, wurde mir einerseits geraten. Doch mit (Wirtschafts-)Theorie hatte ich noch nie viel anfangen können.

Praxis zählt!

„Mach’ Praktika, um einen Praxisbezug herzustellen“, sagte man mir andererseits. „Geh ins Ausland und wende Deine Sprachen an“, „Beleg’ Computerkurse, um in der Informatik fit zu sein.“ Diese letzten drei Ratschläge habe ich beherzigt und bald schon festgestellt, dass mir das ungeheuer weiterhalf. Als mir dazu schließlich noch ein Literaturprofessor der Anglistik die USP der Soft Skills von Geisteswissenschaftlern aufzeigte (u. A. schnelles und gründliches Einarbeiten in oftmals fachfremde Themengebiete), war ich gut gewappnet für den Arbeitsmarkt.

Zwar wurden meine Berufswünsche, „Ich möchte eine Arbeit machen, bei der ich meine Fremdsprachenkenntnisse nutzen kann, und das Internet soll ebenfalls ein wichtiger Bestandteil meines Jobs sein“, meistens mit heftigem Stirnrunzeln gewürdigt, aber das ist heute genau das, was ich beruflich mache: Ich arbeite in Lyon in einer französischen HR-Internet Kommunikationsagentur, die international ausgerichtet ist!

ERASMUS als Sprungbrett

Wie kam ich dazu? Ich ging kurz vor Studienabschluss einige Monate mit dem ERASMUS Programm nach Lyon, um mich auf den sprachpraktischen Teil meiner Prüfungen vorzubereiten. Da mir das Leben und die Stadt so gut gefielen, beschloss ich, bald wieder zurückzukehren. So kehrte ich im April 2004 mit einem LEONARDO Praktikum in der Tasche zurück in die Rhône- und Saône Metropole.

Was ich zu dieser Zeit nicht wusste, war, dass ich dort die nächsten sechs Jahre verbringen würde, und zwar genau in dem Unternehmen, in dem ich das Praktikum absolviert hatte.

Von der Kommunikation zur Beratung

Während ich anfangs für die auf Deutschland ausgelegten Kommunikation- und Marketingaktivitäten zuständig war (Internetseiten überarbeiten, Newsletter schreiben, Kooperationen, Messeorganisation, etc.), lernte ich nach und nach das Vertriebs- und Beratungsgeschäft kennen. Mein Kundenstamm entwickelte sich gut, sodass ich 2007 komplett in die Beratung hinüberwechselte.

Eine gewisse Marketing- und PR-Tätigkeit habe ich dennoch in der Branche seit 2007 weitergeführt: in Form meines Blogs www.online-recruiting.net. Zwischenzeitlich habe ich mich im Web 2.0 und Online Marketing im Zusammenhang mit Personalmarketing- und Personalgewinnungsthemen weitergebildet und berate auch hier zunehmend Firmen, die sich auf diesen Kanälen der Bewerberzielgruppe präsentieren möchten.

Aus Freude am Studium

Letzten Endes habe ich genau das getan, was mir immer schon geraten wurde: die Fächer zu studieren, die mir Spaß machen. Wer dabei nicht zum Fachidioten verkommt, des Öfteren über den Tellerrand herausguckt und seinen weiteren Interessen Platz einräumt, wird seinen Weg vom Studium der Geisteswissenschaften ins Berufsleben finden.

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