Der kleine Handwerker aus der Nachbarschaft vielen als vertrauenswürdiger billige Dienstleister, die im Ausland sitzen – ganz einfach weil viele Menschen eine Art neue Heimatverbundenheit entdeckt haben und daher zunehmend bereit sind, auf regionalen Märkten Dienstleitungen und Produkte einzukaufen.
Zahlen
60 % der Bundesbürger geben einer aktuellen Forsa-Umfrage zufolge an, dass sie beim Einkaufen in Zukunft stärker auf die regionale Herkunft achten wollen.
Wie eine Allensbach-Umfrage ergeben hat, geben rund die Hälfte der Deutschen regionalen Produkten den Vorzug. Und gerade für Konsumenten mit hohem Haushaltsnettoeinkommen (4.000 Euro und mehr) sind regionale Produkte eine neue Form des Luxus: 41 % der Vielverdiener bevorzugen erlesene Produkte aus der Heimat und bezahlen dafür offenbar auch gerne einen in der Regel höheren Preis.
Heimatlosigkeit & emotionale Werte
Grund für diesen Trend ist eine gefühlte Heimatlosigkeit und Ortsungebundenheit in einer beschleunigten Umwelt; die zunehmend hektischer werdende Lebensweise führen zu einer verstärkten Sehnsucht nach dem Einfachen und Echten.
So paradox das also klingen mag: Gerade weil wir heute in einer hochtechnisierten, ausgesprochen mobilen Welt leben, lieben wir handgefertigte Möbel aus Naturholz oder möchten heimische Backwaren essen, selbst wenn wir uns diese schicken lassen müssen.
Regionalität ist also eine Konstruktion und ein mit Sentimentalität aufgeladener Erwartungshorizont, der starke emotionale Werte transportiert. Diese emotionale Qualität wurde bislang von der Food- und Gastro-Branche bedient, beginnt sich aber allmählich auf viele andere Märkte auszudehnen.
Vertriebsweg Internet
Davon profitieren aber vor allem das Handwerk und die manufakturierten Konsumgüter. Einen entscheidenden Anteil am Comeback des Regionalen in letzter Zeit hat vor allem Internet, das es ermöglicht, heimische Produkte selbst dann zu beziehen, wenn man am anderen Ende Deutschlands sitzt.
Reparieren ist “in”
Eine weiterer Trend, von dem das Handwerk profitiert: Wir entwickeln uns immer stärker weg von der Wegwerfgesellschaft hin zu Wiederverwertungsgesellschaft. In Zeiten knapper Geldbeutel auf der einen und wachsendem Umweltbewusstsein auf der anderen Seite gibt es einen weltweiten Trend, der auch in Deutschland immer mehr im Kommen ist: Nämlich Reparieren, Instandsetzen, Re-Naturieren.
Kunden, die sehr viel Geld für ein Möbelstück ausgeben, möchten dies nicht unbedingt wegwerfen, wenn es Kratzer oder Gebrauchsspuren aufweist, sondern es wieder instandsetzen lassen. Und auch das teure Abendkleid muss nicht weggeworfen werden, weil man eine Kleidergröße abgenommen hat; dafür gibt es Änderungsschneider.
Service ist gut für die Kundenbindung
Daraus folgt, das gerade in einer Branche, in der es so stark auf Tradition und Qualität ankommt, Serviceleistungen und langfristige Kundenbindung besonders wichtig sind.
Es werden vor allem diejenigen Handwerker am Markt bestehen können, die mit findigen neuen Ideen Kunden gewinnen, z.B. auch indem sie das Internet gezielt einsetzen und diese dann mit einem herausragenden Service an sich binden.
Die eigene Marke ausbauen
Ziel muss es sein, nicht einfach nur Handwerksleistungen jeder Art anzubieten, sondern das eigene Unternehmen zu einer starken Marke auszubauen. Um das zu schaffen, müssen Sie Ihren Kunden mit Ihren Dienstleistungen ein gewisses Lebensgefühl vermitteln.
Hier bietet es sich an, mit anderen Handwerkssparten zu kooperieren, um so gemeinsam innovative Produkte unter einem Markennamen anbieten zu können. Beispiel: Die Marke Armani, ursprünglich für Bekleidung zuständig, steht heute nicht mehr für Designerklamotten, sondern symbolisiert insgesamt ein angenehmes Leben im Wohlstand und verkauft dabei auch Accessoires, Heimtextilien und Möbel.
Öko-Trend auch fürs Handwerk
Schließlich ist ein weiterer Trend für Handwerker das Vermarktungsargument schlechthin: Der Bio- und Ökotrend. Und der greift in viele Handwerksberufe ein: Beispiel umweltfreundliches und schadstoffarmes Wohnen:
Handwerker, die sich gezielt auf solche Ökomaterialien spezialisieren und bei der Kundenberatung entsprechendes Fachwissen mitbringen, können punkten- das reicht vom Baumaterial über den Wandanstrich bis zur Fertigung besonders umweltfreundlicher Möbel. Und auch bei der Textilherstellung sowie bei Bäckern und Fleischern ist es sinnvoll, spezielle Produkte mit ökologischer Ausrichtung anzubieten – von der schadstoffarmen Bekleidung oder bis hin zur Bio-Wurst.
Denn: Laut Umfrage von GfK Roper Consulting ist es für 68 % der weltweit befragten Menschen ist es wichtig, im Einklang mit der Natur zu leben. Dazu gehört auch ein gestiegenes Umweltbewusstsein, was für 77 % ein wichtiges Bedürfnis ist.