„Ich bin Social-Media-süchtig…ja, ich bekenne mich hiermit offiziell. Nichts kann mir meinen Tag mehr versüßen, als das goldige Klingeln einer neuen Nachricht bei Facebook und ein erhoffter Retweet auf einen meiner hoch kompetenten Ergüsse bei Twitter. Ja, so ist es… Ich erhalte wiederholt Anzeigen wegen Belästigung, weil ich Leuten auf der Straße folge. Und am aller Schlimmsten:…Mein Freund spricht mich mitlerweile nur noch mit @Schatzi an… Einzig und allein der strukturierte Umgang mit Social Media kann mir jetzt noch helfen. Ich zähle auf Ihre Unterstützung.“
Das ist die Bewerbung, die Natascha Müller auf der Suche nach einem Social Media Praktikum an den Blogmanager von Daimler, Uwe Knaus, versendete. Der veröffentlichte den Text zunächst auf seinem privaten Blog – und löste so eine rege Diskussion darüber aus, wie frech Bewerbungen eigentlich sein dürfen.
Hauptsache verrückt und ungewöhnlich?
Die Meinungen waren geteilt, verrückt, ungewöhnlich aber auch mutig, ehrlich und außergewöhnlich waren die Adjektive, mit denen Müllers Bewerbung bedacht wurde.
Hier ein paar Auszüge aus den Kommentaren, die via Twitter zu dem Vorfall abgegeben wurden:


Hauptsache auffallen?
Knaus selbst war zunächst amüsiert und schockiert, weil er meinte, der freche Text passe nicht zu einem Unternehmen wie Daimler.
Dann aber stellte er fest: „Eins hat sie zumindest erreicht: Ich beschäftige mich überdurchschnittlich lange und intensiv mit ihrer Bewerbung.“ Am Ende scheiterte eine Einstellung nur an der fehlenden Immatrikulationsbescheinigung.
Punkten mit frechen Bewerbungen
Der Fall und die Reaktionen zeigen vor allem eines: Dass man selbst in Traditionsunternehmen mit frechen Bewerbungen punkten kann. Dass einem mit dieser Art der Bewerbung Aufmerksamkeit garantiert ist. Dass das manchmal, aber eben nicht immer, zum erwünschten Erfolg führen kann.
Denn der hängt nach wie vor nicht alleine von der frechen Bewerbung ab, sondern auch davon, ob die Faktoren dahinter stimmen: Wer die notwendigen Qualifikationen nicht mitbringt, macht sich mit einer solchen Bewerbung schnell lächerlich.
Unterschiede nach Branche
Auch sollte die Bewerbung nicht nur frech sein, sondern auch aktives Engagement erkennen lassen – sonst ist man trotz Amüsierfaktor schnell als Dampfplauderer verschrien. Außerdem variiert der Erfolgsfaktor solcher Bewerbungen stark nach Branche:
In Banken und anderen konservativen Unternehmen sind sie wahrscheinlich ein absolutes No-Go, in den Medien, bei Agenturen und anderen kreativen Branchen werden sie vielleicht sogar erwartet. Und wie man sieht, kann man mit einem solchen Text sogar in Traditionsunternehmen punkten – wenn man die richtige Abteilung, bzw. den richtigen Ansprechpartner erwischt.
Dieser Artikel erschien unter dem Titel “Dreist ist geil” auch bei RP-ONLINE: www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Dreist-ist-geil_aid_948920.html
27. Januar 2011 um 09:36 Uhr
“Schockiert” war ich nicht wirklich. Im Gegenteil: ich hab zuerst Tränen gelacht. Dann habe ich mir überlegt, was dahinter stecken könnte; Fakebewerbung oder ernst gemeint. Im Nachhinein betrachtet muss ich zugeben, dass mich eine solche Bewerbung stärker anspricht als Standardformulierungen wie beispielsweise “Ich bin zuversichtlich, dass sich meine Fähigkeiten und Erfahrungen als Gewinn für die Soundso AG erweisen können”.
Zudem handelte es sich um eine Bewerbung für ein Praktikum und nicht für eine Anstellung im oberen Management.
Summa summarum hätte ich sie gerne genommen, wenn nicht die Voraussetzungen für eine Anstellung gefehlt hätten. Sie war mit dem Studium schon fertig und somit nicht mehr immatrikuliert. Dies ist jedoch bei uns zwingend notwendig, um ein Praktikum antreten zu dürfen.
27. Januar 2011 um 10:20 Uhr
Hallo Uwe, ja sorry, für das schockieren, klassische journalistische Übertreibung. Aber danke für das Statement! Ich finde es wichtig, das potentielle Bewerber mal ein Bild davon gewinnen, auf was Leute bei Unternehmen so achten….
Wenn du jetzt natürlich nur noch solche Bewerbungen bekommst, ist dann die Frage ob das noch sinnvoll ist.