Dabei spielt Jung von Matt gezielt mit den Werberklischees. Das könnte ja eigentlich ganz lustig sein. Traurig ist allerdings, dass man glaubt, junge, kreative Menschen mit solchen Leitbildern erreichen zu können.
Lifestyle ist alles?
Glaubt Jung von Matt wirklich, dass Leute, die sich kreativ verwirklichen wollen, in die Werbung gehen, um so einen Lebensstil zu führen? Oder bin ich vielleicht zu idealistisch und die Leute haben tatsächlich solche Bilder vor Augen?
In jedem Fall ist es auch noch bewusste Irreführung: Denn auch wenn der Text total übertrieben ist, so verhelt er damit doch geschickt, welche Plackerei und auch Ausbeuterei gerade junge kreative gerade in der Werbung erwartet.
In der Kürze liegt die Würze
Abgesehen von der menschenverachtenden Komponente ist die Idee einfach schlecht umgesetzt: Balken um die Schrift mögen ja vom Design her der letzte Schrei sein, aber toll lesen geht anders. Noch dazu bei einem vergleichsweise doch langen Text.
Wäre der Text kürzer gewesen, hätte der Leser zumindest unter diesesm Gesichtspunkt mehr Freude gehabt… Aber das ganze wenigsten kurz und knackig zu verpacken, dazu war man bei Jung von Matt wohl nicht kreativ genug – wie?
Stellenanzeige, die keine ist

Und die Tage wurde mir von Sebastian Koch noch ein weitere Jobanzeige zugespielt, die ich wirklich gruselig fand: Coach Andreas Michael Gutekunst suchte Networker. Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass es sich eigentlich gar nicht um eine Stellenanzeige handelt, sonder um einen Coach auf Kundenfang.
Um so schlimmer – und unseröser – wirkt die Anzeige, die irgendwie assoziert, es gehe um Jobs. Und zwar einerseits durch die Sprache (nebenberuflicher Networker) als auch durch die Verdienstmöglichkeiten (Einkommen ab 8000 Euro).
Networker lesen Networker-Magazine
Aber Gutekunst hat sich wohl gedacht, dass er den Leuten, bis sie merken, dass sie bei ihm nichts verdienen können, schnell mal eben ein Coaching aufschwatzen kann.
Falls sich übrigens jemand fragt, wie er auf die schwachsinnige Bezeichnung Networker kommt: Die Anzeige wurde in der aktuellen Ausgabe des Magazins Network Karriere geschaltet. Und Gutekunst hat vermutlich schlau kombiniert: Wer ein solches Magazin liest, muss ein Networker sein. Ah ja!
21. Juli 2011 um 13:08 Uhr
Das ist natürlich auch eine Art Zielgruppenansprache – JvM wird dann nur von den bisexuellen Rothaarigen Bewerbungen erhalten, die das toll finden, sich auf dem Designersofa hochzuschlafen. Davon gibt es in der Branche der zukünftigen Werber-Starlettes bestimmt noch so einige… aber so kreativ ist dieses Verhalten dann für eine hippe Werbeagentur ja doch nicht – aber: ist ja nur die Praktikantin.
Und dann bleibt noch die Frage: Vielleicht ist dieser tolle Typ, der die Anzeige “schreibt”, in Wirklichkeit ja auch eine Frau???
21. Juli 2011 um 14:25 Uhr
Hallo Eva,
und dabei hatte ich bislang immer das Vorurteil, solche Damen wären Blond… nunja… Aber da hast du recht, an die Möglickeit mit der Frau hatte ich bislang gar nicht gedacht. Das wäre dann tatsächlich kreativ… aber, beware, dazu müssten sie dann eine Fortsetzungsgeschichte machen.. Die kommt dann die Tage…
Übrigens, schönes Relaunch deiner Seite!
21. Juli 2011 um 15:32 Uhr
Hallo Simone,
welche solche Damen sind eher blond???

Es ging mir ja auch um den/die Schreiber des Textes, nicht um die Praktikantin.
Kreativ wäre das schon, wenn auch eher unwahrscheinlich – die Werbebranche erscheint mir eher als machohaft und nicht als wirklich weltoffen. Obwohl es bestimmt eine Menge Schwule unter den Kreativen gibt
LG, Eva
21. Juli 2011 um 15:57 Uhr
Hallo Eva,
Das mit dem Blond ist so ein dummes Klischee aus der Medienbranche. Irgendjemand schrieb da mal, dass da immer sehr viele blonde, hübsche Praktikanntinnen rumlaufen.
Aber Anwesende sind natürlich ausgenommen!
Sind wir mal gespannt, ob da noch was kommt.
21. Juli 2011 um 15:59 Uhr
Die wollten wohl eine ironische Selbst-Reflexionsschraube einbauen, aber der Text schleppt sich kaum als mittelprächtiger, zähflüssiger Insider-Joke über die Linie. Was ich noch verhängnisvoller finde, ist die Selbstdemontage, die sich darin ausdrückt. Das textliche Verfahren ist alt und wird nicht gerade virtuos gehandhabt. Noch ältlicher wirkt die allein männliche Perspektive. Und man hat sofort den Eindruck: Fällt euch wirklich nichts Besseres ein für eine zeitgemäße, neuartige Stelleanzeige? Wäre da nicht mehr drin gewesen? Hätte man nicht selbst dieses “verkehrte-KLischee-Welt”-Verfahren noch auf eine ganz andere Art handhaben können? Natürlich. Aber nicht bei JvM, anymore?
22. Juli 2011 um 11:28 Uhr
Hallo Fritz, danke für die umfassende und ausgesprochen treffende Analyse!