Gerade gestern erhielt ich wieder so eine Pressemitteilung von einem Unternehmen (bezeichnenderweise war es eine Werbeagentur), das sich bei mir im Blog mit einer tollen Broschüre als Arbeitgebermarke präsentieren wollte – alles “hipp” und “cool”, aber selbst ich habe nicht gleich verstanden, was sie eigentlich wollten.
Warum umständlich, wenns auch einfach geht?
Und warum dieser Umweg? Warum macht ein Unternehmen, das 50 Mitarbeiter einstellen will, erstmal eine “coole” Imagebroschüre, statt einfach klar zu sagen, in welchen Positionen Mitarbeiter gesucht werden? Weil das heute so “hipp” ist?
Ich habe die Herrschaften dann erstmal an meine interne Jobbörse jobs.berufebilder.de weitergeleitet: Klar könnt Ihr hier im Blog kostenlos Mitarbeiter suchen, ich vermittle gerne Jobs weiter – aber doch bitte so, dass Jobsuchende auch wirklich etwas davon haben und gleich wissen, worum es geht.
Jobbörsen nach wie vor am Wichtigsten
Denn: Allem Gesülze über Facebook-Seiten zum Trotz sind Stellenanzeigen nach wie vor das wichtigste Medium, über das Jobsuchende und Arbeitgeber mit konkreten Angeboten erstmals zueinander finden. Zugleich haben sich die Mediengewohnheiten und –erwartungen von Bewerbern in den vergangenen Jahren durch die steigende Nutzung von Social Media einschneidend verändert.
Die Jobbörse stellenanzeigen.de wollte wissen: Was denken Kandidaten und HR-Verantwortliche vor diesem Hintergrund über Online-Stellenanzeigen? Wo sehen sie mögliche Herausforderungen und Verbesserungsmöglichkeiten? Ende 2011 wurde dazu eine Online-Umfrage durchgeführt. Teilgenommen haben 614 Bewerber und 357 Personaler.
Erfolgsfaktoren: Authentizität, Auffindbarkeit, Text
Was sind die drei wichtigsten Aspekte einer Online-Stellenanzeige? Die teilnehmenden Bewerber entschieden sich bei dieser Frage für die Kriterien „Auffindbarkeit“ (85 Prozent Nennungen), „Authentizität“ (73 Prozent) und „Textliche Umsetzung“ (54 Prozent). Die „grafische Gestaltung“ fiel mit 18 Prozent der Nennungen ebenso ab wie die „Interaktivität“ (10 Prozent).
Auch bei den befragten Personalern ergab sich bei den Erfolgsfaktoren die gleiche Hierarchie der wichtigsten drei Faktoren: Auffindbarkeit“ (92 Prozent Nennungen), „Authentizität“ (62 Prozent) und „Textliche Umsetzung“ (58 Prozent).
Die in der Umfrage um Verbesserungsvorschläge gebetenen Kandidaten wünschten sich immer wieder eine klarere Sprache sowie genauere Aufgabenbeschreibungen und Anforderungsprofile. So forderte ein Teilnehmer „eine deutlichere Herausstellung der Arbeitsschwerpunkte in den Anzeigen“, ein weiterer „konkretere Angaben zur Einbettung der Aufgabe in die Organisationsstruktur“.
Kanäle: Erwartetes und tatsächliches Verhalten
Wo informieren sich Bewerber derzeit über aktuelle Stellenangebote? Das von den teilnehmenden Bewerbern gespiegelte Verhalten wich zum Teil deutlich von dem Verhalten ab, das die befragten Personalverantwortlichen bei Kandidaten vermuten.
Mit 96 Prozent lagen hier die Online-Jobbörsen in der Gunst der Bewerber derzeit weit vorn. 88 Prozent der befragten Teilnehmer suchen in gedruckten Stellenmärkten, nur 48 Prozent der Personaler schalten ihre Stellenanzeigen dort. Deutlich mehr befragte Bewerber (64 Prozent) als Personaler (22 Prozent) schätzen die Bedeutung von Printmedien für die Stellensuche auch für die nächsten drei Jahre als hoch ein.
Social Media: von Bewerbern wenig genutzt
77 Prozent der teilnehmenden Personaler sind davon überzeugt, dass Kandidaten in Online-Netzwerken auf Stellenangebote des Unternehmens aufmerksam gemacht werden möchten. Bei den Kandidaten äußerten demgegenüber lediglich 39 Prozent ein Interesse an einem solchen Vorgehen der Arbeitgeber.
28 Prozent der befragten Kandidaten suchen aktiv in beruflichen Netzwerken – 41 Prozent der Personaler veröffentlichen dort ihre freien Positionen. Der gesamte Ergebnisbericht der Umfrage steht übrigens zum Download unter www.stellenanzeigen.de/studie-online-stellenanzeigen-social-media bereit.
Stellenanzeigen: Wenn schon, dann bitte richtig!
Um das klar zu sagen: Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass Stellenanzeigen nicht die allerbeste Form der Jobsuche sind: Die besten Jobs werden nach wie vor über Kontakte vergeben und da bietet Social Media eben große Vorteile – nocht wichtiger finde ich allerdings den Live-Kontakt-Austausch. Und das Grundproblem ist und bleibt, dass für einen zunehmenden Prozentsatz an Jobs einfach Adäquate Berufsbezeichnungen fehlen.
Die ungute Verquickung von Jobbörsen und Social Media, etwa Jobbörsen auf Empfehlungsmarketing, halte ich jedoch für eine völlig fehlgeleitete Strategie. Dann doch lieber, und diese Umfrage bestätigt das, die gute, klassische, alte Stellenanzeige mit entsprechend guter Suchfunktion. Und genau damit das funktioniert, müssen Unternehmen endlich Klartext reden und sich zum Beispiel bei Jobtiteln etwas ausführlicher Gedanken machen, wonach gesucht wird – statt interne Bezeichnungen oder phantasievolle Eigenkreationen zu verwenden.
27. Januar 2012 um 21:28 Uhr
Vielen Dank für den Klartext. Grauenvoll, wenn Praktikanten Stellenanzeigen aus Imagebroschüren zusammen kleistern. Wie sonst ließen sich die Fantasie-Bezeichnungen und Anglizismen erklären…? Der Facility-Manager ist noch nicht ausgestorben
Schön auch der Hinweis, wie die Erwartungen der Jobsuchenden von den Jobbietenden falsch eingeschätzt werden. Das kennen wir ja aus Umfragen zu Facebook-Unternehmensseiten. Die Facebooker wollen Sonderangebote und die Firmen glauben, die “Fans” möchten sich “informieren”.
Auf Facebook wird geplaudert. Nicht informiert. Und nicht gekauft.
… noch nicht
28. Januar 2012 um 13:09 Uhr
Hallo Hans,
danke für Ihren Kommentar.
ich bin nicht überzeugt, dass es wirklich nur die Praktikanten sind, die so agieren. Leider. Und ich bin auch nicht überzeugt, dass Facebooker nur Sonderangebote wollen. Im Fall mit dem Chefticket der DB wollten Sie ja genau das nicht, sondern im Gegenteil mit dem Unternehmen in Kontakt treten. Das ist auch das, was ich auf meiner eigenen FB-Seite wahrnehme: Dass der Dialog gesucht wird. Wenn ich mal ein Gewinnspiel veranstaltet habe, hat das meine Facebooker jedenfalls nicht sonderlich vom Hocker gerissen.
Die Leute wollen einfach ernst genommen werden!