Am meisten gesucht werden Consultants mit oft 100% Reisebereitschaft, 2.500 solcher Stellen gibt es allein bei Monster.de. Viele Stellen sind befristet. Andere haben Anforderungen, die kaum jemand erfüllen kann. Traumjobs sind das selten.
Jobs, für die man niemanden gefunden hat!
Und das hat seinen Grund: Die Stellen in den Jobbörsen sind meist Stellen, für die sich auf anderem Weg keiner gefunden hat. Anders ausgedrückt: Es sind Jobs mit kleinen oder größeren Makeln. Uneingeschränkte Reisebereitschaft ist so einer, zumindest für alle, die einmal zwei Jahre in Hotels hinter sich haben – aber auch schlechte Bezahlung, Befristung oder schlechtes Arbeitsklima.
Dass Zweitdrittel aller Stellen niemals ausgeschrieben werden, ist bereits seit Jahren, unter anderem durch eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB), bekannt. Doch diese Zahl, so die Einschätzung der Karriereberaterin nimmt weiter zu. Zudem zeigen sich zwei Tendenzen: Neben den unbeliebten sind es mehr und mehr auch stark spezialisierte Jobs, die in Stellenmärkten landen.
Generalistisch geprägte Jobs gehen unter der Hand weg
Generalistisch geprägte Stellen, die eindeutig die Mehrzahl des gesamten Stellenangebots darstellen, finden sich immer seltener in Form eines Inserats. Auch kleinere Unternehmen suchen sehr selten mit einer Anzeige suchen. Stattdessen aktivieren Inhaber von Unternehmen und Personal suchende Manager statt den Headhunter immer öfter das eigene Netzwerk.
Ein Beispiel dafür liefert Michael Silberberger, Geschäftsführer des Seminaranbieters Semigator AG in Berlin. Anstatt in Stellenbörsen zu schalten, schickte er kürzlich eine Mail an seine Xing-Kontakte. In dieser warb er für offene Positionen im Vertrieb, unter anderem mit einer Beschreibung des guten Arbeitsumfelds. „Die Chance auf diesem Weg passende Kandidaten zu bekommen, ist deutlich höher als über eine normale Anzeige“, sagt Silberberger aus Erfahrung.
Empfehlungsmarketing voll im Trend
Die Logik dahinter: Wer jemanden aus seinem Netzwerk empfiehlt, kennt diese Person meist und kann nicht nur Fachkenntnisse, sondern auch die Persönlichkeit einschätzen – und diese ist außerhalb der Spezialistenwelt nun mal oft das wichtigste Fundament. Zudem haben Angestellte, die sich als gute Mitarbeiter erwiesen haben, meist ebensolche Freunde und Bekannte. Nicht zuletzt würden Freunde oft viel besser zusammenarbeiten als Fremde – auch im Team. Für Arbeitgeber ist diese Form der Jobsuche nicht nur die günstigste, sondern auch die erfolgreichste Variante.
Was das für Jobsuchende bedeutet? Wer sozial abgeschottet ist und zudem das Internet meidet, bekommt mehr und mehr ein Problem. Denn der aufgezeigte Trend werde sich weiter verstärken.
Tipps für die Jobsuche
- Wer nach einer neuen Stelle sucht, sollte immer erst die Augen im eigenen Umfeld offen halten. Über Geschäftspartner, Kunden, Kollegen kommen Sie an interessantere Jobs als über Stellenbörsen.
- Bringen Sie Kollegen auf die Idee, sich in der eigenen Firma umzuschauen und nach Möglichkeiten der Mitarbeit zu fragen!
- Bewahren und pflegen Sie gute Kontakte, sei es aus dem Praktikum oder einem alten Job. Verlinken Sie sich in einem sozialen Netzwerk oder/und sammeln Sie Kontakte in einer Tabelle oder einem elektronischen Adressbuch.
- Informieren Sie Ihr Netzwerk, wenn Sie auf Jobsuche sind: Persönlich am Telefon die engen Kontakte, über das Internet die weiter entfernten.
- Kommunizieren Sie in Ihrem Netzwerk immer, was Sie können und wonach Sie suchen – am besten mündlich und schriftlich.
- Die Zeit im Aufschwung ist immer gut für Initiativbewerbungen! Diese sollten so gestaltet sein, dass die Empfänger sofort ein Bild davon haben, was Sie können und wo Sie einsetzbar sind. Noch besser ist, wenn Sie sich „auf Empfehlung von“ bewerben können. Nutzen Sie auch die direkten Kontakte in sozialen Netzwerken als Brücke zu einem neuen Kontakt.

31. Juli 2010 um 18:27 Uhr
Hallo Frau Janson,
interessanter Beitrag und Gedankengang. Insgesamt kann ich mich anschließen – mit einer Einschränkung: Aus meiner Erfahrung sind Freunde in zwei Kategorien zu teilen. 1. Diejenigen, mit den man privat und beruflich gut zusammenpasst und 2. diejenigen, mit welchen man am besten nicht zusammenarbeit, will man die Freundschaft nicht gefährden.
Eine Frage habe ich noch: Sie verweisen auf IAB-Untersuchungen, nach denen ca. 2/3 der Stellen nicht ausgeschrieben werden. können Sie mir dazu bitte Titel oder Links zusenden – ich habe auf der IAB-Website trotz Suche nichts finden können. Vielen Dank!
JW
1. August 2010 um 09:37 Uhr
Hallo Herr Wiesner,
kurz zur Klärung für andere Leser: Offenbar bezieht sich der erste Teil Ihres Kommentars auf das Interview mit mir in ZEIT ONLINE zum Thema “Freundschaften am Arbeitsplatz”, den man hier findet: www.berufebilder.de/about/pressestimmen/freunde-kann-man-sich-aussuchen-kollegen-nicht-interview-mit-mir-auf-zeit-online
Der zweite Teil auf den Gastbeitrag von Frau Hoffert.
Bei dem Freundethema möchte ich Ihnen zustimmen, sicherlich gibt es auch nochmal unterschiede, dahingehend, dass man mit manchen Freunden zusammenarbeiten kann und mit anderen nicht. Grundsätzlich bin ich da etwas skeptisch…
Was die IAB-Studie angeht: Ich habe Ihre Anfrage an Frau Hoffert weitergeleitet und hoffe auf eine baldige Antwort.
Gruß
Simone Janson
1. August 2010 um 14:26 Uhr
Hallo Frau Janson,
da ich nicht wusste, an wen ich den Kommentar richten soll, hatte ich mich für Sie entschieden.
Der erste Teil meines Statements richtete sich schon an den Gastbeitrag von Svenja Hofert. Sie spricht im Abschnitt “Empfehlungsmarketing voll im Trend” davon, Freunde zu empfehlen – hier war mein Gedanke, dass die Empfehlung von guten Freunden auch Risiken beinhaltet.
Dass zeitgleich ein Interview mit Ihnen und einem ähnlichen Thema auf Zeit Online erschienen ist: Glücklicher Zufall – und auch dafür würde ich mein Kommentar verwenden.
Danke für die Weiterleitung der IAB-Frage. Es ist schon interessant: Ich habe mehrere Artikel im Netz gefunden, die sich auf die Zahl “zwei Drittel” beziehen – aber keine hat die konkrete Quelle angegeben. Ich bin gespannt auf die Antwort!
Viele Grüße, JW
3. August 2010 um 15:45 Uhr
Hallo Herr Wiesner,
sehen Sie mal, wie gut die beiden Artikel zusammenpassten, war mir gar nicht aufgefallen! Leider gibt es bezüglich der Studie bislang keine Rückmeldung.
4. Februar 2011 um 15:43 Uhr
Das Thema Empfehlungsmarketing im Bereich Jobs und Karriere fand ich sehr interessant und habe mal gegoogle’lt, ob es Jobportale gibt, die auf diesem Vermittlungsprinzip aufbauen. Dabei bin ich auf www.jobbotschafter.de gestoßen. Für Interessierte alle mal ein Blick wert.
4. Februar 2011 um 17:06 Uhr
Das ist ja SMSuperHero-mäßig! Danke für den interessanten Tipp und die Mühe! Wird gleich gebookmarkt und bei Gelegenheit näher angeschaut!