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Job- & Personalsuche » Stellenanzeigen & Jobbörsen » Welche Karriere-Trends brauchen wir wirklich? Teil 2:
Und schon wieder eine neue Jobbörse!

Bei der Jobsuche gilt Matching als das Non-Plus-Ultra: Je schneller der passende Kandidat für den passenden Job gefunden wir, desto besser. Das hat auch die neue Jobb ictjob.de erkannt und ist seit gestern mit einer angeblich neuen Matching-Technologie am Start, die für Bewerber und Unternehmen und Bewerber noch besser zum schnellen Ziel führen soll. Nur: Bringt uns das einen Schritt weiter? Ist Matching wirklich alles?

ictsjob


Gestern erreichte mich diese frohe Kunde: “Seit heute gibt es eine neue Online-Stellenbörse für die IT- und Telekommunikationsbranche: ictjob.de.” Immerhin war man fleißig: Gestartet wird mit rund fünfhundert Stellenangeboten, darunter von namhaften großen und mittelständischen Unternehmen wie Microsoft, Oracle, Hermes Logistik oder Steria Mummert Consulting.

Optimierte Suchergebnisse durch Kompetenzraster?

Die Besonderheit von ictjob soll allerdings, nach eigenen Angaben, das Prinzip eines vordefinierten Kompetenzrasters sein, mit deren Hilfe Suchergebnisse noch besser “matchen” sollen. Im PR-Sprech liest sich das dann so:

Ictjob.de bringt Profis aus dem IT- und Telekommunikationssektor mit einer speziell auf dieses Marktsegment abgestimmten Suchtechnologie zusammen: Die Fähigkeiten der Arbeitsuchenden sowie die Anforderungen der Unternehmer werden mithilfe des Kompetenzrasters gegeneinander abgeglichen. So werden die Suchergebnisse optimiert und individuell nach Relevanz geordnet – ein entscheidender Vorteil angesichts der Informationsflut, der Menge an verfügbaren Jobangeboten und der großen Zahl an Stellensuchenden. In Zeiten des Fachkräftemangels dient ictjob.de so zur effizienteren Rekrutierung von Spezialisten und hebt sich durch seine einzigartige Matching-Technologie vom Rest der Jobportale ab.

Brauchen wir das wirklich?

Alles klar? Macht nichts, denn unabhängig von der Frage, ob sich diese Suchfunktion denn nun wirklich so eklatant vom Rest der Jobportale unterscheidet, frage ich mich: Brauchen wir wirklich schon wieder ein Jobportal, dass genau denselben Mechanismus bedient wie ungezählte Jobportale zuvor?

Denn wie ich an anderer Stelle schon erklärt habe, wird es in Zukunft ein immer größeres Problem geben -  und zwar für Jobsuchende wie Personaler gleichermaßen. Denn wie soll man aus dem großen Markt an Angebot und Nachfrage genau das passende herausfischen, wenn es immer schwieriger wird, den passenden Beruf und die passende Berufsbezeichnung zu definieren?

Und die richtige Berufsbezeichnung ist nunmal Voraussetzung dafür, dass so eine Matching-Technologie überhaupt greift!

Semantische Suche und andere Ideen

Klar, die Lösung für dieses Problem könnte eine ganz neue Art der Jobsuchfunktion sein – nämlich die semantische Suche. Karriere.at hat damit 2009 groß geworben – und Thorsten hat erklärt, warum das in der Praxis (noch) nicht so richtig funktioniert. Und jetzt raten Sie mal, an was mich das erinnert hat, als ich gestern die Pressemitteilung zu einer neuartigen Suchtechnologie bekam.. richtig!

Markus hat da auch gerade gestern ein paar Ideen vorgestellt, die sinnvoller klingen – auch wenn ich persönlich nicht viel davon halte, voll auf den “durchgeknallten Kneipenwirt aus Kalifornen” (also Facebook) zu setzten. Die Frage, ob man Jobbörsen überhaupt braucht, habe ich hier auch schon gestellt!

Raus aus dem Gefängnis

Das Grundproblem bei der Jobsuche bleibt auch mit ictjob – und darauf hat Alexander Fedossov sehr schön verwiesen:

Es kann einfach nicht sein, dass man als Jobsuchender die Entscheidung treffen muss, in welche max. 6 Portale von 1000+ die Zeit investiert werden soll, in der unbegründeten Hoffnung, so keine Karrierechancen zu verpassen. (Job-)Informationen müssen allgegenwärtig (überall abrufbar) sein. Egal, wo ich mich befinde, möchte ich gerne Zugriff auf die gleichen vollständigen Informationen haben.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

2 Kommentare

  1. Sehr schöner Artikel!
    Meines Erachtens werden sich mittelfristig sowieso nur zwei bis maximal drei Jobportale behaupten können…

  2. Simone Janson

    Danke für das Kompliment und die Einschätzung. Mit der Meinung stehen Sie nicht alleine da!

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