Studien Umfragen sind ein beliebtes PR-Instrument. Vor allem bei Jobbörsen. Denn aktuelle Zahlen hat jedes Medium gerne (ich nehme mich da nicht aus). Witzig ist aber, wenn zwei Jobbörsen in der gleichen Woche mit dem gleichen Umfrage auflaufen – Zufall, Peinlich, einfallslos – oder Ideenklau?

Mitte dieser Woche bekam ich die aktuelle Umfrage des österreichischen Karriereportals karriere.at, in der man seine österreischen User nach ihren (Aus)Schlafgewohnheiten gefragt hat. O-Ton: Unausgeschlafenheit macht unproduktiv. Und die Überschrift “Wecker als Karrierkiller” passte zwar nicht ganzu zum Inhalt, war aber doch zu originell um übersehen zu werden. Ich habe dazu also einen netten Beitrag gemacht. Und nicht nur ich, sondern auch der Kollege Jochen Mai, der gleich noch eine eigene Umfrage anhängte.
Gestern erschien dann eine Umfrage von monster.de zum gleichen Thema – u.a. auch bei Gehrhard Kenk – allerdings mit ganz anderen Ergebnissen: Demnach geben deutsche Arbeitnehmer einem frühen Arbeitsbeginn klar den Vorzug: 46 Prozent der befragten Deutschen würden ihren Arbeitstag gerne früher starten, für 27 Prozent ist der Arbeitsbeginn ideal. Weitere 27 Prozent der Befragten sind Morgenmuffel und würden lieber länger im Bett liegen bleiben.
Wo die Wahrheit leigt, kann man sich als Leser jetzt wahrscheinlich aussuchen. Was ich aber wirklich interessant finde: Warum kommen zwei Jobbörsen in der selben Woche mit der selben Umfrageidee heraus? Ist das wirklich Zufall oder hat nicht doch der eine die Idee vom anderen abgekupfert?
Dieses amüsante kleine Beispiel zeigt so jedenfalls, welche albernen Auswüchse die derzeit herrschende Manie, zu jedem Kleinkram eine Umfrage machen zu müssen, haben kann. Vielleicht sollten sich die Damen und Herren von der PR-Abteilung mal etwas neues Einfallen lassen?
/karriere/selbstmanagement/sind-die-oesterreicher-zu-muede-fuer-den-job-lieber-schlaf-statt-leistung
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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