Frauen sind in der Regel lieber indirekt als zu offen. Sie sind harmoniebedürftig und wollen ihr Gegenüber nicht verletzen. Daher halten sie ein deutliches, klares und direktes Verhalten oft für unhöflich.
Wenn Sie also etwas wollen, sagen sie das eher indirekt und vorsichtig – etwa “Vielleicht könnten wir…” Und sie neigen dazu, ohne Not und unaufgefordert Ihre Unzulänglichkeiten zu betonen, etwa indem sie sagen “Zu dem Thema habe ich schon hundert Bücher gelesen, bin mir aber immer noch unsicher.”
Groteskes Selbstbewusstsein
Männer hingegen neigen dazu, mit manchmal grotesk erscheinendem Selbstbewusstsein durch ihren Führungsalltag zu gehen. Sie sind eher direkt und auf Wettbewerb eingestellt. Wenn ihnen beispielsweise jemand widerspricht, brechen sie schnell einen Machtkampf vom Zaun: “Was fällt dem ein? Dem zeig ich’s aber!” sind die ersten Reaktionen.
Und sie haben keine Hemmungen, von „meiner Abteilung“ „meinem Laden“, oder „meinem Team“ zu reden für das „ich“ jemanden einstelle, selbst wenn bei näherem Hinsehen Einstellungsentscheidungen gar nicht von einer einzigen Person getroffen werden.
Höfliche Frauen
Die Probleme, die im Berufsalltag aus diesem Unterschied resultieren, sind oft ähnlich; Dr. Cornelia Topf hat sie in ihren mehr als zwanzig Jahren als Businesscoach in verschiedenen Firmen immer wieder erlebt: Vor allem die Frauen haben Probleme, sich im Job durchzusetzen.
„Frauen wollen oft höflich sein,“ erklärt die Managementtrainerin, die auch das Buch „Durchsetzungsfähigkeit für Frauen“ geschrieben hat. „Im Zweifelsfall wird das aber nur als höflich empfunden, wenn die Person vor mir das selbe Geschlecht wie ich hat und ich darum davon ausgehen kann, das sie ähnlich denkt, empfindet und handelt wie ich.“
Egoismus notwendig
Wenn Frau sich also durchsetzen will, muss sie klarer sagen, was sie will. Außerdem ist ein gewisses Maß an Egoismus notwendig, weiß Topf: „Verständnis für andere ist tendenziell gut und richtig“, sagt sie. Allerdings sollte „frau“ es nicht übertreiben: „Wer vor lauter Einfühlsamkeit mehr an die Bedürfnisse der anderen als an die eigenen denkt, schießt über das Ziel hinaus.“
Aber auch Männer müssten mehr auf die Bedürfnisse von Frauen achten, denn sie können durch diese neue Perspektiven gewinnen, rät die Managementtrainerin: „Männer und Frauen sollten an einem Strang ziehen, statt als Kontrahenten gegeneinander zu arbeiten. Und um die kommunikativen Differenzen zu beseitigen, ist Vertrauen nötig. Das muss man gemeinsam erarbeiten!“n
Teamarbeit auch für Unternehmen gut
Wenn Frauen und Männer erfolgreich zusammenarbeiten, ist das auch langfristig für das Unternehmen besser: So hat eine Analyse der Unternehmensberatung Mckinsey unter allen börsennotierten Großunternehmen in Europa ergeben, dass Unternehmen mit den höchsten Anteil von Frauen in Führungspositionen in den Jahren 2003 bis 2005 einen um 48 Prozent höheren Gewinn als der jeweilige Branchendurchschnitt hatten.
Auch die Managementberatung Accenture hat die 358 größtem Unternehmen aus 24 Ländern Europas analysiert. Je höher der Anteil von Frauen in Führungspositionen mit Personalverantwortung war, desto höher auch der Gewinn.
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Dieser Artikel erschien am 29.03.2011 bei RP-ONLINE: www.rp-online.de/beruf/arbeitswelt/Mars-und-Venus-am-Schreibtisch_aid_980855.html
Mehr zum Thema finden Sie in der Serie “Erfolg durch Mixed Leadership“
13. Mai 2011 um 09:31 Uhr
Ein wirklich spannendes Thema – die Frage ist, wie viel Verständnis ist genug? Ich habe öfter schon die Erfahrung gemacht, dass Frauen ihre eigenen Bedürfnisse gar nicht erkennen. Sie haben oft nur ein vages Gefühl, dass sie mit dem Umgangston im Unternehmen vielleicht nicht ganz glücklich sind. Wie lässt sich dann an der eigenen Situation etwas ändern? Das stelle ich mir ehrlich gesagt etwas schwierig vor.