Ich habe es ja immer gewusst: Eine gesunde Auseinandersetzung reinigt die Luft. Sie baut aufgestauten Ärger ab und lässt alle wieder freier durchatmen. Schade nur, dass es die meisten vorziehen, das nicht zu beherzigen und ihren Ärger einfach in sich reinfressen.
Dabei gibt es im Berufsalltag Grund genug zum Ärgern: Unzuverlässigkeit unter Kollegen, ein sturer Chef, ineffizente Meetings, geplatzte Termine und vieles mehr. Aber statt seinem Ärger Luft zu machen, halt die meisten lieber die Klappe. Tatsächlich wird, einem Bericht der Süddeutschen zu Folge, in deutschen Büros einfach zu selten offen über solch kritikwürdigen Verhaltensweisen geredet. Im Gegenteil, so die Süddeutsche, viele Kollegen seien geradezu handzahm und paktierten das unausgesprochenen Stillhalteabkommen: “Solange du mich nicht anschießt, schieß ich auch nicht zurück, und alle sind zufrieden.”
Aus diesem Verhalten entstehen allerdings gleich zwei Probleme: Zum einen gehen die Leistungen zurück, weil man seinen Ärger immer nur herunterschluckt. Und auch der Kollege, über den man sich geärgert hat, bekommt so keine Möglichkeit sich zu verbessern. Das andere Problem ist ganz schnell ausgedrückt in dem schönen Sprichwort: “Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.” Denn irgendwann platzt auch der geduldigste Ärger-Fresser. Ich erlebe das immer wieder – und die plötzlichen Ausbrüche, die solche Menschen dann haben, sind total überraschend und für alle Beteiligten alles andere als angenehm. In vielen Fällen wäre es da besser gewesen, gleich Sachlich seinen Ärger vorzubringen, als hinterher richtig fies zu werden. Denn: Ein Ärger reinigt die Luft – aber wenn man in seiner Wut zu unverschämt wird, macht man mehr kaputt als dass es hilft.