An Perfektionismus “leiden” heißt auch gleichzeitig an Entscheidungsunlust leiden. Denn jede Entscheidung birgt ja das Risiko, auf das falsche Pferd zu setzen. Perfektionisten möchten sich hingegen lieber alle Optionen offen halten. Denn entscheiden bedeutet auch, sich festzulegen und auf andere Möglichkeiten zu verzichten.


Nicht auszudenken, wenn sie später noch Informationen bekommen würden, die es ihnen erlaubt hätten, eine bessere, richtige, ja perfekte Entscheidung zu treffen, statt sich mit einer falschen Entscheidung unbeliebt zu machen.
Aus Angst, die falsche Wahl zu treffen, versuchen sie daher lieber, die Entscheidung so lange wie möglich hinauszuzögern, sie zu umgehen oder sogar auf andere abzuwälzen – teilweise mit absurden Ergebnissen:
Da entscheidet nicht etwa der Leiter der Marketingabteilung über einen Werbetext, sondern der Buchhalter hat das letzte Wort. Und bei der Vergabe eines Auftrags darf auch die Leiterin des firmeneigenen Kindergartens (als Betriebsratsmitglied) nicht fehlen, denn der Chef will auch ja niemanden übergehen. Das mag auf den ersten Blick sympathisch und demokratisch wirken, in Wirklichkeit zeugt das aber von einer tiefsitzenden Unsicherheit des Entscheiders.
Autor: Simone Janson
Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.
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