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Karriere & Erfolg » Management, Motivation, Strategie » Arbeitnehmer bewerten ihr Arbeitsumfeld:
Chefs sind doof!

Keine Überraschung: In der Bewertung von Arbeitgebern durch Arbeitnehmer schneiden Kolleginnen und Kollegen wesentlich besser ab als Vorgesetzte. Das Kollegenumfeld ist sogar der am positivsten bewertete Faktor beim eigenen Arbeitgeber.

Das ist das Ergebnis einer umfassenden Datenanalyse der Arbeitgeber-Bewertungsplattform Kununu, die 42.000 Arbeitgeber-Bewertungen untersuchte.

Chefs erreichen bei kununu auf einer Notenskala von 1 (mangelhaft) bis 5 (super) im Durchschnitt nur 2,7 Punkte. Kritisiert wird zum Beispiel die Fähigkeit der Vorgesetzten, nachvollziehbare Entscheidungen zu fällen. „Die Entscheidungen der Chefs müssen Bestand haben und nicht täglich geändert werden“, schreibt ein Nutzer über seinen Arbeitgeber.

Chefs: Nachsitzen!

Häufig schlagen Angestellte auf kununu vor, die Führungsqualität im Unternehmen zu verbessern oder die Chefs nachzuschulen. Die eigenen Kollegen erreichen in der Bewertung im Durchschnitt 3,6 Punkte. Von allen auf kununu bewerteten harten und weichen Faktoren ist das die höchste Punktzahl.

Arbeitnehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können ihre Arbeitgeber auf kununu.com anonym bewerten – und die Bewertungen anderer lesen, um sich so über mögliche Arbeitgeber zu informieren. Mittlerweile hat die Plattform über 42.000 Bewertungen veröffentlicht. Das an der „European Foundation for Quality Management“ (EFQM) und ihrem europäischen Standard für die ganzheitliche Betrachtung von Organisationen angelehnte Bewertungsraster deckt die wesentlichen Themen ab, die zum Beispiel auch in Mitarbeiterbefragungen im Interesse stehen. Die Nutzer können Noten auf einer Skala von 1 (mangelhaft) bis 5 (super) vergeben.

Was zeigt die Analyse?

Interessant an der Analyse finde ich, dass für Arbeitnehmer ihr Kollegenkreis der positivste Faktor am Arbeitsplatz ist. Das bestätigt meine persönliche Meinung, dass es im Job auch vor allem auf die sozialen Kontakte ankommt. Oder andersherum: Selbst wenn der Job noch so gut bezahlt ist und noch so interessant ist – wenn das Umfeld nicht stimmt, macht das langfristig unzufrieden.

Die negativen Meinungen über den Chef sind hingegen keine Überraschung: Wer den Ton angibt, macht sich unbeliebt. Ich bezweifle, dass ein Vorgesetzter gut-Freund mit seinen angestellten sein kann, weil er manchmal auch unliebsame Entscheidungen treffen muss.

Andererseits ist natürlich die angesprochene Entscheidungsschwäche gerade bei Führungskräften ein Problem. Ich bezweifle jedoch, ob hier ein paar Schulungen helfen können – oft genug hängt Entscheidungsunfähigkeit am Charakter und letzendlich am Selbstbewusstsein. Eher sollte man in Unternehmen genauer hinschauen, wen man da zum Chef macht.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel. Sie hat über 10 Bücher geschrieben. In ihrem Bestseller „Die 110%-Lüge“, übersetzt in mehrere Sprachen, setzt sie sich ausführlich mit Entschleunigung und den Unsicherheiten von Menschen im modernen Arbeitsleben auseinander. In Ihrem akutellen Buch „Nackt im Netz“ geht es um Social Media und den digitalen Wandel.

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