Serie – Als Chef getarnt:

Die Führungskraft als Beichtvater

13 Kommentare - Kommentieren Sie! Tags: , , , , , . Rubrik(en): Autoren, Featured, Selbstmanagement


Von Roland Jäger, 28. Juli 2010: Chefs sollen in allererster Linie an das Wohl ihres Unternehmens denken - und das bedeutet, Mitarbeiter bei Vergehen auch mal Anzumeckern. Was tun, wenn Chefs aber lieber gute Menschen sind und den Beichvater spielen? Herr Bock hat Mist gebaut. Seine ersten Entwürfe zur Marktanalyse, ... Weiterlesen - Translate full text



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Herr Bock hat Mist gebaut. Seine ersten Entwürfe zur Marktanalyse, vom Vorstand letzte Woche bei ihm in Auftrag gegeben, liegen seit Tagen wie Blei in seiner Schublade. Er kommt einfach nicht aus den Puschen. Heute Abend sollte die Analyse fertig sein. Nun ist es 15 Uhr und es ist sonnenklar: Das wird nichts mehr.

Wie ein Häufchen Elend sitzt Herr Bock nun mit seinem Stückwerk im Büro seines Chefs und beichtet ihm alles.

Nur nicht unfreundlich sein!

Herr Pfaff ist entsetzt: Es fehlen wichtige Daten, die Charts sind eilig zusammengeschustert und noch dazu strotzt das Ganze vor Rechtschreibfehlern. Aber dem armen Kerl auch noch den Kopf waschen? Immerhin hat der sich ja vertrauensvoll an ihn gewandt und ist auch so schon zerknirscht genug. Jetzt mit Sanktionen zu kommen wäre ja glatt ein Vertrauensbruch!

Herr Pfaff beruhigt den armen Herrn Bock: Irgendwie wird er das mit dem Vorstand schon hinbiegen. Er sonnt sich in der Gewissheit, dass alle seine Mitarbeiter größtes Vertrauen zu ihm haben. Er wird gebraucht – ein gutes Gefühl, auch wenn es nur ums Händchenhalten geht.

Beichtväter sind bequem und verantwortungslos

Leider hat Herr Pfaff vergessen, dass es sein Job ist, Leistung einzufordern. Konsequenzen bei mangelnder Leistung? Auf keinen Fall! Das wäre autoritär und absolut von gestern. Außerdem ist Nachsicht leichter, bequemer und kuscheliger. Nimmt Herr Pfaff sich überhaupt selber ernst? Oder hat er nur seinen Beruf verfehlt?

Seine Mitarbeiter haben sehr schnell spitz bekommen: Wenn Sie dem Chef ihre kleinen und großen Sünden beichten, erlangen sie – schwupps – sofortige Absolution. Zum Gewohnheitsrecht mutierte Nachsicht zeugt aber nicht von Größe sondern beweist lediglich Führungsschwäche und zieht mit absoluter Sicherheit Probleme nach sich. Probleme mit den Mitarbeitern, die sich entspannt zurücklehnen und immer weniger tun.

Und Probleme mit all den Mitarbeitern, die ihre Arbeit ordentlich machen. Denn die werden dazu immer weniger Lust verspüren. Die Hemmschwelle, lausige Qualität abzuliefern sinkt ins Bodenlose. Und irgendwann gibt es einen großen Knall. Nicht von Herrn Pfaff, der wird dann irgendwo anders Wohlfühlfelder aufbauen. Jemand anderes wird mit der Axt kommen – und eine Schneise hinterlassen.

Keine Beichte ohne Buße

Beichte ohne Buße funktioniert nicht. Schützen Sie Ihre Mitarbeiter nicht vor den Folgen ihres Handelns. Das ist unfair und respektlos. Denn auch wenn Einzelne oder gar ein ganzes Team gewohnt ist, ungestraft ineffizient sein zu können, wird irgendwann Wenn Sie dagegen eine klare Linie vorgeben, kann eine Schieflage erst gar nicht entstehen.

Mit Klarheit meine ich nicht autoritäres Gehabe! Wer autoritär ist, lässt seinen Mitarbeitern keinen Handlungsspielraum. Klarheit heißt: Ich als Chef habe alles im Auge. Und wenn die Arbeit nicht gemacht wird, dann werde ich einschreiten. Mit einer solchen Vorgabe wissen die Mitarbeiter genau, woran sie sind. Und sie haben die Chance, ein eventuelles Fehlverhalten abzustellen.

roland-jaegerRoland Jäger, Jahrgang 1962, ist Speaker und Bestsellerautor, selbstständiger Unternehmensberater, Trainer und Coach.
Der studierte Diplom-Betriebswirt arbeitete zuvor viele Jahre er als Führungskraft für eine renommierte Privatbank und in einem bedeutenden Beratungsunternehmen. Schwerpunktthemen seiner Arbeit sind heute vor allem Führung, Kommunikation, Konfliktmanagement, Changemanagement und Selbstmanagement.

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