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Keine Kommentare » - Kommentieren Sie! Tags: Chef, Freundlichkeit, Führungskräfte, Kollegen, Strategie. Rubrik(en): Autoren, Featured, Selbstmanagement
Herr Lieblich ist in Hochform. Zusammen mit seinem jüngsten Teammitglied besucht er einen Kunden. Für den Neuling ist es sein erstes Mal, er ist unsicher und ganz schön nervös.
Doch Herr Lieblich lässt ihn nicht im Stich! Gemeinsam haben sie sich morgens um halb fünf auf den Weg gemacht und sich die dreistündige Autofahrt durch tiefe Gespräche über Bundesliga und Familienplanung verkürzt. Auch beim Kunden läuft alles bestens: Chef und Kunde verstehen sich blendend, der Neue sitzt ein wenig abseits und hört zu.
Am Ende steht ein hervorragender Vertragsabschluss. Herr Lieblich ist überaus zufrieden, die Dankbarkeit seines Youngsters wärmt sein Herz. Der Kunde ist geschmeichelt, dass der Chef selbst sich um ihn kümmert. Und der Frischling freut sich über die Schonzeit. Alle sind zufrieden. Aber ist auch alles gut?
Leider hat Herr Lieblich seine eigentliche Aufgabe aus den Augen verloren: Er soll seine Mitarbeiter führen. Das heißt nichts anderes, als dass er die Richtung vorgibt. Und eben nicht, dass er sich völlig ungefragt vor seinen Mitarbeiter wirft. Abgesehen davon, dass der Neue nun für den Kunden immer der Untergebene, der Berater zweiter Klasse bleiben wird – hat Herr Lieblich nichts Wichtigeres zu tun?
Auch Chefs wollen geliebt und gebraucht werden. Ganz gleich, ob ein Mitarbeiter mit einem Kunden nicht klar kommt oder eine Präsentation nicht rechtzeitig fertig wird – der Schutzpatron regelt das. So fühlt er sich als wahrer Herkules. Wenn er sich ritterlich vor seine Mitarbeiter stellt, tut er es also in Wahrheit nicht für den Mitarbeiter und erst recht nicht für die Firma, er tut es für sich selbst.
Mitarbeiter merken sehr schnell, woher der Wind weht. Und entwickeln sehr viel Routine und Kreativität darin, sich dieses Helfersyndrom zunutze zu machen. „Du bist mein Chef, mein Held, rette mich!“ Eine sehr schmeichelhafte Rolle für den Chef. Eine angenehme Hängematte für die Mitarbeiter.
Doch wenn Mitarbeiter überbehütet sind, dann wird ihr Antrieb eher früher als später verkümmern. Die Leistungsfähigkeit der Abteilung wird in den Sinkflug übergehen. Ein Schutzpatron als Chef ist also brandgefährlich.
Es ist nicht Ihr Bier, wenn Ihr Mitarbeiter eine Aufgabe nicht gerne tut oder meint, sie nicht bewältigen zu können. Springen Sie auch nicht für ihn in die Bresche, wenn er bereits zum dritten Mal einen Kundentermin vergessen oder seinen Bericht schlampig abgefasst hat. Signalisieren Sie ihm: „Ich stehe hinter dir. Und damit schneide ich dir auch den Fluchtweg ab. Schau, dass du mit der Situation fertig wirst. Ich bin sicher, du kannst das.“
Unter einer Schutzglocke gedeihen nur Schattengewächse. Motivierte Mitarbeiter brauchen Luft. Nur wenn Sie im Hintergrund bleiben, werden sich Ihre Mitarbeiter entwickeln können. Deshalb steht ein echter Chef hinter seinen Mitarbeitern. Nicht vor ihnen.
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Monika Wulf-Mathies studierte Geschichte, Germanistik und Volkswirtschaft. Sie arbeitete im Kanzleramt, war ÖTV-Vorsitzende, in der europäischen Kommission und Beraterin für Gerhard Schröder. Seit 2001 ist sie bei der DHL, erst Leiterin des Zentralbereichs „Politik & Nachhaltigkeit“, seit 2009 Beraterin des Vorstands. Wie sah Ihr Weg zum Erfolg aus?
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