Laut Wikipedia ist Prokastination, umgangssprachlich als “Aufschieberitis” die schlechte Angewohnheit, notwendige, aber unangenehme Arbeiten immer wieder zu verschieben, statt sie zu erledigen.
Eine Angewohnheit, die ziemlich irrational wirkt – denn natürlich macht es Sinn, unangenehme Dinge so schnell wie möglich wegzuhauen. Und doch kennt so ziemlich jeder das Verhalten aus seinem Alltag:
Das Telefonat mit dem Kunden, der sich beschweren will und um Rückruf bittet – morgen. Und die Steuererklärung hat auch noch bis nächste Woche Zeit. Den schwierigen Text kann ich auch übermorgen schreiben. Nur: Derweil wird das schlechte Gewissen immer Größer.
Prokastination: Mehr als eine kurzfristige Unlust
Unbestritten, Dinge nicht immer sofort zu erledigen, hat auch Vorteile: Manchmal schafft man es auf diese Weise, unangenehmen Dingen aus dem Weg zu gehen, weil sich diese von selbst erledigen. In einigen Fällen ist es besser, noch weitere Informationen zu sammeln, bevor man aktiv wird. Und gelegentlich ist es sogar besser, bestimmte Entscheidungen nicht zu treffen, weil sie sich im Nachhinein herausstellt, dass sie falsch gewesen wäre.
Allerdings: Nicht immer ist der Hang, unschöne Dinge aufzuschieben, nur eine kurzzeitige Unlust, die schon wieder vorbei gehen wird – manchmal steckt mehr dahinter. Prokastination kann zum ernsten Problem werden: Wer nämlich unliebsame Aufgaben immer weiter vor sich herschiebt, statt Sie zu erledigen, gilt bald als unzuverlässig. Schlecht für die Karriere und das eigene Selbstbewusstsein.
Gründe
Die Gründe für das Aufschieben sind ganz unterschiedlich: Den einen fehlt es tatsächlich an Motivation, weil die Arbeit stupide und langweilig ist. Oder weil die damit verbundenen Erfolge zu weit entfernt liegen. Aber es kommt auch vor, dass sie den Sinn einer Aufgabe nicht einsehen, zum Beispiel auch, weil ihnen wichtige Informationen fehlen.
Andere Menschen können einfach nicht gut organisieren: Sie schaffen es nicht, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und lassen sich durch jede Kleinigkeit von ihrer Arbeit abhalten. Oder sie setzen sich ihre Deadline immer viel zu knapp, weil sie meinen, dass sie das schon schaffen werden.
Dauerquatschende Kollegen, die dreckige Teeküche, das Gefühl der Einzige zu sein, der regelmäßig die Druckerpatrone wechselt. Die Liste, was uns im Büro wahnsinnig macht, scheint endlos zu sein. Klicken Sie sich hier durch eine unvollständige Auswahl der Nervfaktoren. Was im Büroalltag richtig nervt
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Und eine dritte Gruppe schließlich hat regelrecht Angst vor ihrer Aufgabe, weil sie viel zu hohe Ansprüche an sich selbst hat. Perfektionistisch erwarten diese Menschen von sich, stets Höchstleistungen zu bringen und setzen Erfolg mit Selbstwert gleich. Dadurch wird die Arbeit allmählich zum unüberwindbaren Berg, der mit jedem Aufschub noch anwächst.

6. April 2010 um 11:13 Uhr
Wer hat dieses Wort in Umlauf gebracht?
Das ist nicht “Prokastination” sondern “Prokrastination”.
Und auch noch Wikipedia mit rein ziehen, wo es richtig steht.
6. April 2010 um 11:45 Uhr
Danke nge2005 für Ihren “konstruktiven” Einwand! Sie erinnern mich daran, dass ich dazu mal einen Blogpost machen wollte!
Auch hier würde ich mich über die Nennung Ihres Namens freuen!
Wer das Wort in Umlauf gebracht hat, weiß ich nicht, aber m.E. ist es ein gelungenes Beispiel für Sprachwandel: Wenn Sie mal bei den google Keyword-Tools nachsehen, werden Sie feststellen, dass das durchschnittliche monatliche Suchvolumen bei 1600 liegt: adwords.google.de/select/KeywordToolExternal
Allein auf meinen Blog finden ca. 200 Leute monatlich über dieses Suchwort!
Sprich: Es gibt eine Menge Leute, die Prokastination statt Prokrastination sagen und auch danach im Internet suchen – wahrscheinlich auch weil Prokastination sich viel einfacher spricht. Meine Prognose: Das wird sich weiter entwickeln, schon weil es so gebräuchlicher ist, und in ein paar Jahren sind beide Schreibweisen offiziell zulässig.
Als Linguistin gibt es für mich ohnehin kein richtig oder falsch: Es gibt nur Verständlichkeit und Sprachwandel. So sind wir vom Telephon auf das Telefon gelangt und daher reden wir heute nicht mehr wie zu Luthers Zeiten. Und auch der Duden, den ich als Sprachinstanz dann doch noch der Wikipedia vorziehen würde, kann den Sprachwandel nur abbilden – aber nicht vorgeben.
Sie haben es ja schließlich auch gefunden und verstanden. Was will ich mehr?
Gruß
Simone Janson